Pressebericht vom 29./30.05.2010
Große Verunsicherung bei Zivildienstleistenden
Podiumsdiskussion der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik
im Karlsruher Regierungspräsidium
Von unserer Mitarbeiterin Swantje Huse
Karlsruhe.
Ein kontroverses Thema hatte die Gesellschaft für Wehr- und
Sicherheitspolitik Karlsruhe und Ortenau (GfW) auf dem Programm:
„Die Verkürzung des Wehrdienstes und ihre Auswirkungen auf den
Zivildienst“ lautete der Titel der Podiumsdiskussion im
Regierungspräsidium. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu
Guttenberg und Familienministerin Kristina Schröder hatten den
Gesetzentwurf zur Verkürzung von neun auf sechs Monate erst
kürzlich vorgestellt.
„Es handelt sich
hierbei um eine komplexe Themenstellung, geradezu zwei Seiten
einer Medaille. Wir werden uns daher heute ausschließlich dem
Zivildienst widmen“, erklärte Moderator Rudolf Horsch (GfW).
Christine Bachenberg vom Bundesamt für Zivildienst in Köln
erläuterte den Gesetzentwurf, der zum 1. Dezember in Kraft treten
soll. „Das bedeutet, dass alle Zivildienstleistenden, die bis
dahin sechs Monate oder mehr abgeleistet haben, entlassen werden“,
so Bachenberg. „Dieser Einschnitt am Jahresende wird eine relativ
große Lücke hinterlassen.“ Daher sei die Möglichkeit einer
freiwilligen Verlängerung um drei bis sechs Monate vorgesehen. Der
FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt bezeichnete den
Kompromiss zwischen CDU/CSU und FDP als „tragfähig“ und notwendig,
um die Wehrgerechtigkeit zu erhalten. Er machte aber keinen Hehl
um die Ziele der eigenen Partei: Die Aussetzung des Wehr- und
damit auch des Zivildienstes und damit einhergehend die
Aufstellung einer Berufsarmee auf der einen und die Stärkung der
Freiwilligendienste auf der anderen Seite.
„Wir brauchen einen
sozialen Dienst für Mädchen und Jungen“
Ein „Lob für
diese Ehrlichkeit“ sprach Jörg Biermann, Geschäftsführer des
Kreisverbands Karlsruhe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK),
Meinhardt aus. „Wenn dies der Einstieg in den Ausstieg ist, muss
ich das auch deutlich sagen.“ Eine Verkürzung möge zwar gerecht
sein, hindere die Menschen aber nicht daran, alt und
pflegebedürftig zu werden. „Wir brauchen daher einen sozialen
Dienst, der für alle, Mädchen wie Jungen, Pflicht ist und das
leistet, was bisher Wehrdienst und Zivildienst geleistet haben“,
forderte Biermann. So weit wollte Achim Heinrichs vom Diakonischen
Werk Baden nicht gehen, stimmte der Notwendigkeit des Ausbaus der
Freiwilligendienste aber zu: „Im Haushalt ist nur vorgesehen, dass
ein Drittel der Zivilsdienstleistenden um maximal vier Monate
verlängern kann. Für mehr gibt es schlichtweg kein Geld.“ Er
berate die Einrichtungen des Diakonischen Werks daher bereits seit
langem, sich wegen der mangelnden Planungssicherheit nicht in
Abhängigkeit zu Zivildienstleistenden zu begeben. Die große
Herausforderung sei nicht nur, die Attraktivität des
Wehrersatzdienstes für die Dienststellen zu erhalten, sondern auch
für die Zivis, betonte Thomas Seyfarth vom Deutschen Paritätischen
Wohlfahrtsverband Baden- Württemberg. Bei ihm seien in diesem Jahr
nur halb so viele Anfragen auf Zivildienststellen eingegangen wie
in den Vorjahren. „Das liegt eindeutig an der Verunsicherung“, ist
sich Seyfahrt sicher. Sein Kollege Monsignore Bernhard Appel,
Direktor des Caritasverbands Freiburg, teilt diese Befürchtung:
„Der verkürzte Zivildienst bedeutet, dass die schnelle
Einarbeitung wichtiger wird als die Möglichkeit zum Aufbau von
Beziehungen zu den Menschen.“
(veröffentlicht
mit freundlicher Genehmigung der Autorin)
Den
Originalbeitrag der BNN können Sie sich
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