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(Foto: Jürgen Rann)
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Bericht des Landesvorsitzenden
18. Internationaler
Sicherheitspolitischer
Kongress Baden-Baden
"Reform -
Bundeswehr, quo vadis?"

Hochkarätig
besetztes Podium in Baden Baden
(Zum Vergrößern: Bild
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Zusammen
mit dem Verband der Reservisten der Bundeswehr und dem Deutschen
Bundeswehrverband veranstaltete die Gesellschaft für Wehr- und
Sicherheitspolitik Baden-Württemberg am 18. und 19. November den
18. Internationalen Sicherheitspolitischen Kongress zum zweiten Mal
bereits in Baden-Baden.
Der
Oberbürgermeister der Stadt Baden-Baden, Wolfgang Gerstner, ließ es
sich nicht nehmen, vor Beginn der Veranstaltung zu einem Empfang im
herrlich restaurierten alten Ratssaal des Rathauses zu bitten und die
Gäste in seiner Stadt zu begrüßen.

OB Wolfgang Gerstner begrüßt die Gäste beim Empfang der Stadt
Baden-Baden
(Zum Vergrößern: Bild
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Besonders
die herzliche Verbundenheit und das Interesse der Stadt war es,
welche die Organisatoren dazu bewog, den Kongress im Jahr 2010 nach
Baden-Baden zu bringen.
Die
Landesvorsitzenden Ralph Bodamer (VdRBw), Gerhard Stärk (DBwV) und
Wolfgang Kopp (GfW) konnten neben den Teilnehmern aus den Reihen ihrer
Organisationen zahlreiche hochrangige Gäste aus Politik und
Wirtschaft, militärische Freunde aus Österreich und der Schweiz, sowie
Vertreter aus der Bundeswehr und ehemalige Soldaten begrüßen.
Aus Sicht
der GfW besonders erfreulich war die Teilnahme einer Delegation ihres
französischen Partners CiDAN, darunter mit Admiral Moreno sogar einem
Gast aus Kolumbien.
Erstmals
waren die Firmen Cassidian, Diehl, Zeiss, Daimler (Wörth) und Mercedes
(Gaggenau) mit Exponaten beim Kongress vertreten.
Das
Grußwort der Landesregierung überbrachte Ministerialdirigent Wurster
aus dem Innenministerium Baden-Württemberg.
Zum Motto
„Reform - Bundeswehr quo vadis?“ gelang es wieder einmal, hochrangige
Referenten zu gewinnen.
Mit
Vorträgen des Stellvertreters des Generalinspekteurs und Beauftragten
für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr, Generalleutnant Günter
Weiler, dem Bundestagsabgeordneten und Mitglied des Auswärtigen
Ausschusses des Deutschen Bundestags, Roderich Kiesewetter, dem
Politikwissenschaftler Dr. Klaus Naumann vom Hamburger Institut für
Sozialforschung und Major André Wüstner vom Deutschen
Bundeswehrverband wurde das Thema unter vielen verschiedenen Aspekten
beleuchtet.
Dabei
wurden besonders und die Auswirkungen der Reform auf die Stellung
Deutschlands im Bündnis, auf das innere Gefüge und das
Selbstverständnis der Bundeswehr, aber auch auf mit Blick auf soziale
Verbesserungen für die Soldaten und ihre Familien betrachtet.
Damit
wurden den rund 170 Teilnehmern Einblicke und Hintergrundwissen für
ihre ehrenamtliche Arbeit als Multiplikatoren in Fragen der
Sicherheitspolitik aus erster Hand vermittelt.

Generalleutnant Günter Weiler bei seinem Vortrag
(Zum Vergrößern: Bild
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Die
äußerst interessanten Vorträge regten nicht nur zu zahlreichen Fragen,
sondern auch zu regen Pausengesprächen an. Das herrliche Ambiente der
Stadt sorgte für einen hervorragenden Rahmen, der durch ein
gemeinsames Abendessen am Freitagabend im Kasino Baden-Baden einen
Höhepunkt fand.
Die
Veranstalter kamen überein, den 19. Internationale
Sicherheitspolitische Kongress am 09./10.11.2012 wieder in Baden-Baden
stattfinden zu lassen.
Text: Wolfgang Kopp
Fotos: Johann Michael Bruhn
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Weiteres
Medienecho

Sicherheitspolitisches Kolloquium
„Handwerklich
gut, aber der
umfassende Ansatz fehlt“
Baden-Baden: 18. Sicherheitspolitisches Kolloquium – Militär,
Wissenschaft
und Verbände diskutierten über die Neuausrichtung der Bundeswehr

Die Veranstalter mit
dem DBwV-Referenten: Ralf Bodamer (Vorsitzender der Landesgruppe Baden
Württemberg des VdRBw), André Wüstner (DBwV-Vize), Wolfgang Kopp von
der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik und Gerhard Stärk,
Landesvorsitzender Süddeutschland im DBwV (von rechts). (Foto:
Henning)
Mittler zu sein zwischen
Bundeswehr und Gesellschaft – diesen Anspruch haben die Veranstalter
des traditionellen Internationalen Sicherheitspolitischen Kolloquiums
in Baden - Württemberg. Baden-Baden war Tagungsort der von der
Landesgruppe Baden-Württemberg des Reservistenverbandes (VdRBw), vom
Landesverband Süddeutschland des DBwV und von der Gesellschaft für
Wehr- und Sicherheitspolitik ausgerichteten 18. Auflage der Tagung.
Rund 200 Teilnehmer hörten
Vorträge, diskutierten mit den Referenten und unternahmen den Versuch
einer sicherheitspolitischen Standortbestimmung. Im Mittelpunkt
standen gemäß dem Motto „Reform – Bundeswehr, quo vadis?“ die kürzlich
bekannt gegebenen Reformmaßnahmen.
Dem Stellvertreter des
Generalinspekteurs der Bundeswehr, Generalleutnant Günter Weiler, war
es jedoch wichtig, zunächst etwas zum Afghanistan-Einsatz der
Bundeswehr zu sagen. „Es gibt beinahe ausschließlich negative Berichte
zu diesem Thema in den Medien“, sagte der General. Dies sei auch ein
Grund für die überwiegend ablehnende Haltung in der Bevölkerung, die
jüngst erneut durch Umfrageergebnisse dokumentiert worden sei. Dabei
seien bemerkenswerte Fortschritte zu verzeichnen. Nicht verhehlen
mochte der Drei-Sterne-General allerdings, dass auch noch ein ganzes
Bündel von Problemen zu bewältigen ist. Dennoch lautete das eindeutige
Fazit Weilers: „Es sind mehr als 100000 Bundeswehrsoldaten im
Afghanistan-Einsatz gewesen. Dieser Einsatz ist nicht nutzlos und
dient unserem Schutz.“
Weiler beschrieb ausführlich
die Ziele und Grundlagen der Neuausrichtung. Die Streitkräfte sollten
besser auf die künftigen Herausforderungen vorbereitet werden, sie
müssten regenerierbar und nachhaltig finanzierbar sein, sagte der
General. Derzeit fehlten verfügbare Kräfte, die Durchhaltefähigkeit
sei nicht gegeben. Zudem leide das System Bundeswehr an umständlichen
und langwierigen Entscheidungsprozessen. Die Neuausrichtung dürfe sich
nicht nur an den gegenwärtigen Einsätzen orientieren, so Weiler.
Deswegen hätten die Planer das Fähigkeitsprofil so ausgestaltet, dass
ein breites Spektrum von Aufgaben bewältigt werden könne. „Das geht
natürlich zu Lasten der Umfänge einzelner Fähigkeiten“, sagte der
General. Was die Finanzausstattung der Streitkräfte angeht, macht sich
Weiler keine Illusionen. „Die ist nicht üppig, Goldrandlösungen werden
nicht zu realisieren sein.“ Aber auch die Bundeswehr müsse einen
Beitrag zur Schuldenbremse leisten. Mit Blick auf die Personalstärke
stellte Weiler klar, dass die Zielgröße sich nicht nur an den
sicherheitspolitischen Anforderungen orientiere. Sie sei mit höchstens
185000 Soldaten auch eine realistische Einschätzung, wie viel
Nachwuchskräfte vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung
überhaupt anzuwerben seien. Um qualifizierte Soldaten zu bekommen,
müsse es weiterhin die Auswahl unter mehreren Bewerbern für eine
Stelle geben.
Auch auf die jüngsten
Konzeptpapiere und Entscheidungen des BMVg kam Weiler zu sprechen. Das
Reformbegleitprogramm etwa sei erforderlich, um eine angemessene
Alters- und Dienstgradstruktur zu erreichen. Die
Stationierungsentscheidungen seien das Ergebnis gründlicher Analysen
und sorgfältiger Abwägung. Schließlich sei das Konzept der Reserve
geeignet, den Einsatz der Reservisten auf neue Grundlagen zu stellen.
Es werde sinnvoll das Maßnahmenpaket der Neuausrichtung ergänzen.
Reservisten hätten künftig – mehr noch als bisher – Scharnierfunktion
als Mittler zwischen Bundeswehr und Gesellschaft.
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Klaus Naumann
stellte unbequeme
Fragen zur Bundeswehrreform
aus Sicht des wissenschaftlichen
Politikbeobachters.
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Bundestagsabgeordneter und
VdRBw-Präsident Roderich Kiesewetter
beschrieb die Leitlinien
deutscher Sicherheitspolitik.
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Generalleutnant
Günter Weiler
skizzierte ausführlich Ziele und
Grundlagen der Neuausrichtung
der Bundeswehr. |
Eberhard
Wurster aus dem
baden-württembergischen
Innenministerium richtete ein
Grußwort an die Teilnehmer. |
Der CDU-Bundestagsabgeordnete
und frisch gekürte Präsident des Reservistenverbandes, Oberst d.R.
Roderich Kiesewetter, unternahm eine tour d’horizon durch die deutsche
Außenpolitik. Drei Prinzipien zählten zu deren unveräußerlichen
Grundsätzen: der Verzicht auf nationale Alleingänge, die Abstützung
auf UN-Mandate und der Konsens, dass der Einsatz militärischer Mittel
nur letzte Option sein könne. Ansonsten, so Kiesewetter, sei die
globale Sicherheitsarchitektur gerade im Umbruch, wie die
Pazifik-Orientierung von US-Präsident Obama zeige. Aber auch die
deutsche Außenpolitik sei im Wandel. Es sei eine umfassende nationale
Sicherheitsstrategie notwendig. Die Sicherheitsvorsorge Deutschlands
stoße mit dem Engagement im nordatlantischen Bündnis und in der
Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik an ihre Grenzen.
Erschwerend komme hinzu, dass Konflikte wie etwa der auf Zypern
ungelöst seien. Der Parlamentarier sieht in einer Annäherung zwischen
Nato und EU
eine geeignete Strategie. „Es gibt zu viele Hauptquartiere und zu
wenige Synergieeffekte.“ Es könne nicht sein, dass die US-Streitkräfte
im Libyen-Konflikt die europäische Durchhaltefähigkeit gewährleisten
müssen. Es müsse ein „Pooling und Sharing“ her, eine Lastenteilung
sowie eine bessere Koordinierung aller sicherheitspolitischen
Maßnahmen. Dazu müssten die Europäer enger zusammenrücken. „Ich
wünsche mir, dass das ,Weimarer Dreieck’ wiederbelebt wird“, nannte
Kiesewetter als Beispiel. Das Augenmerk der Europäer müsse sich
zunächst auf Krisen richten, von deren Folgen sie betroffen seien:
„Wir sollten uns mehr noch als bisher auf dem Balkan engagieren, denn
das ist unser Vorgarten.“ Die nationale Sicherheitsvorsorge stütze
sich auch auf eine moderne Rüstungsindustrie. Die technologischen
Fähigkeiten dieser Industrie seien in Teilbereichen hoch entwickelt.
„Das dürfen wir uns nicht kaputtmachen lassen“, stellte der
Verbandspräsident klar.
Mit Blick auf
Hilfsorganisationen wie THW und DRK monierte Kiesewetter, dass eine
ganzheitliche föderale Strategie fehle, die die Zusammenarbeit solcher
Hilfsorganisationen mit den Reservisten regele. Wie andere Referenten
machte auch Kiesewetter die Kluft zwischen Bundeswehr und Gesellschaft
zum Thema. Die Streitkräfte müssten in der Öffentlichkeit präsenter
sein. Vor allem Frauen müssten ganz anders einbezogen werden als
bisher. „Wir brauchen – bildlich gesprochen – die Hoheit über den
Küchentischen“, sagte Kiesewetter.
Aus wissenschaftlicher Sicht
näherte sich der Historiker Klaus Naumann vom Hamburger Institut für
Sozialforschung dem Thema Bundeswehrreform. Der Umbau habe
sicherheits-, staats- und gesellschaftspolitische Dimensionen.
Allerdings trage die Neuausrichtung diesen Aspekten in höchst
unterschiedlichem Ausmaß Rechnung. Es stellten sich zahlreiche Fragen.
Ist die Neuausrichtung ausreichend auf den vernetzten Ansatz
vorbereitet? Ist der streitkräftegemeinsame Ansatz weit genug gediehen?
Ist die Reform diesmal nachhaltig? Wird der scheinbare Widerspruch
zwischen der Ausrichtung als „Allzweckarmee“ und begrenzten Ressourcen
aufgelöst? Wie sieht es mit der politischen Steuerungsfähigkeit aus?
Die Landesverteidigung
als früherer Hauptauftrag sei eine hochgradige Legitimation der
Streitkräfte gewesen, das Ziel der globalen Sicherheitsvorsorge lasse
sie jedoch enger an die Staatspolitik heranrücken. Eine veränderte
Gemeinwohlbindung komme in dem Slogan „Wir.Dienen.Deutschland“ zum
Ausdruck. Doch hier ließen die bisher bekannt gewordenen Papiere
einiges vermissen, etwa die ressortübergreifende Initiative, den
Gedanken der freiwilligen Gemeinschaftsdienste zu fördern. „Auch
Sozial- und Entwicklungshelfer ,dienen’ Deutschland“, sagte Naumann.
Die konzeptionelle
Unterfütterung des Prinzips der „vernetzten Sicherheit“ lasse überdies
zu wünschen übrig. Es sei nicht erkennbar, dass hier tatsächlich „ein
zentrales Projekt der Bundesregierung“, wie vom Minister postuliert,
vorangetrieben
werde. „An diesem Punkt haben der politische Wille und die Kraft der
Koalition offenbar nicht ausgereicht“, sagte der Wissenschaftler.
Sicherheitspolitisch definiert sei nur der militärstrategische Teil,
fügte Naumann an. Eine Organisation der laufenden Strategieprozesse,
um die Steuerungsfähigkeit der Sicherheitspolitik zu gewährleisten,
fehle.
In Sachen Legitimation gilt es
laut Naumann zwei Dinge zu unterscheiden. Wie der Bundeswehr,
besonders den Einsatzsoldaten, die gebührende öffentliche
Aufmerksamkeit zuteil werden könne, sei eine Sache. Eine andere Frage
sei, wie den sicherheitspolitischen Entscheidungen die wünschenswerte
Akzeptanz verschafft werden könne. „Handwerklich ist alles aus einem
Guss, dieses Zeugnis muss man dem Minister ausstellen“, bilanzierte
der Historiker. Doch es fehle der Zusammenklang der Sicherheitspolitik
mit den staatspolitischen und gesellschaftlichen Komponenten.
Der Stellvertreter des
Bundesvorsitzenden, Major André Wüstner, machte deutlich, dass der
Reformprozess für die Betroffenen ein Dauerzustand sei. „Die
Bundeswehr
kannte in den vergangenen 21 Jahren nur den ständigen Umbau.“ Dies sei
auch ein Grund für die Skepsis vieler Soldaten: „Reform ist Routine,
und wer begreift Routine schon als Chance?“ Misstrauisch zeigte sich
Wüstner erneut, was den Finanzrahmen angeht. „Die
Haushaltsentscheidungen lassen nicht erkennen, wie der Minister die
Bundeswehr aus ihrer Unterfinanzierung herausführen will.“ Mit Blick
auf die Attraktivitätsmaßnahmen sagte der DBwV-Vize, dass jetzt Taten
folgen müssten. Es sollte eigentlich klar sein, dass der Reformerfolg
von den Menschen abhänge. Deswegen müssten alle Umbauschritte vom
Menschen her gedacht werden. Und da greife der Appell an das
soldatische Treueethos zu kurz. Das Verteidigungsministerium allein
könne die Motivation zum Ehrendienst, die sich im Slogan
„Wir.Dienen.Deutschland“ ausdrücke, nicht wecken, sagte Wüstner. „Das
ist die Aufgabe der gesamten Bundesregierung.“ Das Treueverhältnis
müsse zudem auf Gegenseitigkeit beruhen. Es dränge sich der Verdacht
auf, mit dem Verweis auf
die Funktion des Dienens solle die berechtigte Forderung nach
finanziellem Ausgleich unterbunden werden, sagte Wüstner.
Auf einer vorgeschalteten
Pressekonferenz hatten der Vorsitzende der Landesgruppe des VdRBw,
Ralf Bodamer, und Gerhard Stärk als Landesvorsitzender Süddeutschland
die Aufgaben, die Struktur und die Ziele ihrer Verbände skizziert. Und
auch der Oberbürgermeister gab sich die Ehre: Wolfgang Gerstner hatte
zum Empfang ins historische Rathaus geladen und unternahm einen kurzen
Streifzug in die Historie der früheren Garnisonstadt Baden-Baden. fh
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Landesgruppe
Baden-Württemberg
"Reform - Bundeswehr, quo vadis?"
Wohin geht die
Bundeswehr? Generalleutnant Günter Weiler, Stellvertreter des
Generalinspekteurs,
zeigt „Grundzüge und Stand der Bundeswehrreform“ auf.
18.
Internationaler Sicherheitspolitischer Kongress
Baden-Württemberg in Baden-Baden
Die Frage „Reform –
Bundeswehr quo vadis?“ stellte das Thema für den 18.
Internationalen Sicherheitspolitischen Kongress
Baden-Württemberg im November 2011 im Kongresshaus in
Baden-Baden. Die Veranstalter dachten bei der Verwendung der
lateinischen Phrase weniger an den Roman „Quo Vadis“ des
polnischen Schriftstellers Henryk Sienkiewicz von 1895 über das
Schicksal der frühen Christen in Rom oder den gleichnamigen
US-amerikanischen Film von 1951 nach diesem Roman mit Peter
Ustinov als Kaiser Nero. Vielmehr ging es um die allgemeinere
Frage „Wohin gehst du?“, auch im Sinne von „Wohin soll das noch
führen?” oder „Wie soll das weitergehen?”.
Die Landesgruppe
Baden-Württemberg im Verband der Reservisten der Deutschen
Bundeswehr e.V., der Landesbereich Baden-Württemberg der
Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V. und der
Landesverband Süddeutschland des Deutschen BundeswehrVerbandes
waren mit diesem Thema ausgesprochen aktuell, denn die
Bekanntgabe der Entscheidungen zur Stationierung der Bundeswehr
in Deutschland war noch keinen Monat her und die
Veröffentlichung der „Konzeption der Reserve“ nur acht Tage. Die
Durchführung zu diesen beiden Planungen steht erst noch an,
sodass über praktische Erfahrungen noch nicht zu reden war und
es auch für wirklich durchdachte Stellungsnahmen noch zu früh
gewesen wäre.
Im Vortrag „Grundzüge
und Stand der Bundeswehrreform“ von Generalleutnant Günter
Weiler, dem Stellvertreter des Generalinspekteurs der
Bundeswehr, ging es deshalb vorrangig um eine Bestandsaufnahme.
In seine positive Einschätzung der Leistungen der Bundeswehr und
seiner Soldaten konnte er aber nicht die Berichtserstattung
darüber einschließen, da die Presse Erfolge weit weniger würdigt
als die mit dem Einsatz verbundenen Schäden. In seiner
Bestandsaufnahme fehlte aber nicht der Hinweis auf
„schwerfällige Entscheidungsprozesse“ und „langwierige
Verfahren“, insbesondere Verzögerungen und Verschiebungen bei
„investiven Großvorhaben“. Es genüge auch nicht erkannte Mängel
zu beseitigen, vielmehr sei die Bundeswehr so aufzustellen und
auszurüsten, dass sie auch zukünftigen sicherheitspolitischen
Herausforderungen genügen kann.
Die Aussage Weilers,
dass die Neuausrichtung der Bundeswehr die Aufgaben und
Verantwortungsbereiche für Reservisten erweitert, war nicht
allein der Zuhörerschaft geschuldet, sondern auch sachlich
schlicht notwendig. Denn die Aufwuchsfähigkeit der Bundeswehr –
insbesondere nach dem Aussetzen der verpflichtenden Einberufung
zum Grundwehrdienst – seien zu sichern, die Durchhaltefähigkeit
zu erhöhen sowie alle Organisationsbereiche zu entlasten und in
der Durchführung ihres Auftrags zu unterstützen. Deshalb wären
Rahmenbedingungen zu schaffen, um Reservisten konsequenter als
bisher für die Bundeswehr zu gewinnen und an sie zu binden.
Dazu wird die Reserve
neu gegliedert: Truppenreserve (Verstärkungs- und
Personalreserve, Ergänzungstruppenteile), Territorialreserve
(BVK und KVK, ZMZ-Stützpunkte, die neuen regionalen Sicherungs-
und Unterstützungskräfte zur Entlastung der allgemeinen Truppe
im Heimatschutz) und die allgemeine Reserve (alle nicht
beorderten Reservisten).
Mehr als bislang sollen
besondere zivile Qualifikationen genutzt werden, um ein neues
Fähigkeitsprofil für vorhandene oder kommende Herausforderungen
zu bekommen.
Die Wahrnehmung
territorialer Aufgaben sei stärker als bisher sicherzustellen
und damit auch ein wertvoller Beitrag zum Heimatschutz zu
leisten. Die Mittlerfunktion zwischen Bundeswehr und
Gesellschaft durch qualifizierte Reservisten sei noch zu
vertiefen und auch damit die Nachwuchsgewinnung zu unterstützen.
Die Reserve habe den flexiblen Aufwuchs bereits im Frieden zu
ermöglichen.
„Ich bin davon
überzeugt, dass die Konzeption der Reserve deutlich aufzeigt,
dass die Reserve für die Sicherheitsvorsorge Deutschlands
unverzichtbar war“ beendete Generalleutnant Weiler seine
Ausführungen zur Reserve.
In der Einladung noch
als Stellvertreter des Präsidenten Reservistenverband
angekündigt trug der neu gewählte Präsident Oberst a.D. Roderich
Kiesewetter MdB zum Thema „Sicherheitspolitik,
Sicherheitsvorsorge, Reserve – ein unverzichtbarer Dreiklang“
vor, wobei er sich nicht auf den derzeitigen Aufgabenbereich der
Bundeswehr beschränkte, sondern auch ungelöste Konflikte
(Zypern) und solche mit sich erst noch entwickelndem, aber dann
beträchtlichem Potenzial (Iran). Sicherheitsvorsorge umfasse
nicht allein militärische Planungen, sondern auch Rüstung, womit
das Problem der Rüstungsexporte – auch von Kleinwaffen –
verbunden sei. Es mache wenig Sinn, wenn die Führungsrolle bei
bestimmten Entwicklungen aufgegeben werden und der spätere
Einkauf im Ausland dann teurer wird und weniger den
erforderlichen Spezifikationen entspreche.
Mit den Fragen „Wo drückt der Schuh?“, „Was muss besser werden?“
und „Was ich schon immer sagen wollte“ regte Kiesewetter zu
weiterem Informationsaustausch an. Dies nicht allein zwischen
den Reservisten und ihrer Bundeswehr und ihrem
Reservistenverband. Das Vortragsthema sei nicht auf die
Gespräche am Stammtisch zu beschränken und auch an Küchentischen
u.ä. zu führen.
Dr. Klaus Naumann war in
Programm als Journalist angekündigt, wurde vor seinem Vortrag
„Neuausrichtung – der Bundeswehr oder der Politik“ als freier
Journalist vorgestellt, wollte aber als abhängiger
Wissenschaftler verstanden werden. Bei der „Dauerreform“ der
Bundeswehr müsse deren Nachhaltigkeit hinterfragt werden. Dies
nicht allein für die Bundeswehr selbst, sondern gewissermaßen
dreidimensional unter den Gesichtspunkten Sicherheitspolitik,
Staatspolitik und Gesellschaftspolitik. Dies zeigte er anhand
von sieben Strukturfragen auf. Die neuerlich angestrebte
Truppenstärke der Bundeswehr sah er als eher willkürlich und
wandelbar an, sie sei wohl mit Sicht auf britische und
französische Verhältnisse festgesetzt worden. Man sei damit auf
dem Weg zu einer Bonsai-Armee: klein, aber fein. Das vom
damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler festgestellte
freundliche Desinteresse für die Bundeswehr sieht Naumann
weniger bei der Bevölkerung, sondern eher bei der
Regierungskoalition.

Vortrag und
Diskussion: Präsident Roderich Kiesewetter (Mitte) beteiligt
sich
nach dem Vortrag von Major André Wüstner (in Uniform auf dem
Podium) an der Diskussion;
auf dem Podium die drei Landesvorsitzenden (v.l.) Gerhard Stärk,
Wolfgang Kopp und Ralf Bodamer;
links neben Kiesewetter der Journalist Dr. Klaus Naumann
Mit „Wir. Dienen.
Deutschland – Anspruch und Wirklichkeit“ schloss Major André
Wüstner, Stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen
BundeswehrVerbandes die Vortragsrunde ab, bevor Brigadegeneral
a.D. Wolfgang Kopp die Vorträge und Diskussionen zusammenfasste.
Wüstner machte einen Rückblick über die letzten 21 Jahre der
Bundeswehr. Mit der Reduzierung der Standorte in mehreren Stufen
von 490 auf nunmehr 255 seien zusätzliche Versetzungen für die
hiermit ohnehin überdurchschnittlich belasteten Soldaten
verbunden gewesen. Es habe in dieser Zeit durch den laufenden
Umbau der Bundeswehr keinen Normalbetrieb gegeben. Wüstner
nannte aber nicht nur Belastungen, sondern erkannte im
Einsatzversorgungsverbesserungsgesetz (EinsatzVVerbG) und der
Diskussion über Veteranen – sowohl die Begrifflichkeit als auch
die Personen – positive Fortschritte.
Text
und Fotos: Johann Michael Bruhn
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