Iranische Atombombe, dänische
Karikaturen, islamischer Mob, deutsche Angst” - Vorabend des Krieges
oder Kampf der Kulturen?
„Wir sind mittendrin im Kampf
der Kulturen.”
Sigmaringen - Mit dieser
Analyse hat Wolfgang J. Stützer beim Vortrag vor der Gesellschaft für
Wehr- und Sicherheitspolitik in Sigmaringen das aktuelle Verhältnis
zwischen der islamischen Welt und Europa beschrieben. Stützer,
Mitarbeiter verschiedener Stiftungen und freiberuflicher Berater und
Dozent, bemängelt, dass die Europäer die Situation unterschätzen und
dass die politischen Reaktionen unzureichend, uneinheitlich und unklar
seien. Aber auch die Vereinten Nationen zeigten sich zunehmend
unfähiger, die Rolle als Garant des friedlichen Miteinanders aktiv
gegenüber aggressiven islamischen Nationen zu behaupten.
Die iranische Herausforderung
Offensichtliches Beispiel für
diese Entwicklung ist die zögerliche Entgegnung auf die wiederholten
Hasstiraden des iranischen Präsidenten gegenüber Israel, dessen
Forderung, Israel von der Landkarte zu tilgen, außer verbalem
Unverständnis keine konkreten Folgerungen nach sich gezogen habe.
Dabei müsse man heute feststellen, dass der Bau der iranischen
Atombombe nicht mehr zu stoppen sei. Es ginge jetzt aber dringend
darum, zu verhindern, dass diese Waffe in die falschen Hände gerate.
Doch Rücksichtnahme auf wirtschaftliche Interessen, Deutschland ist
der größte Außenhandelspartner des Iran, und die Unfähigkeit, auch
militärische Mittel in eine politische Antwortstrategie einzubeziehen,
haben gerade in Deutschland zu Konfliktscheue und politischer
Selbstbindung geführt. Beides behindere die Konfliktlösung.
Die Rolle der Religion
Während in Europa die
Säkularisierung zunehmend in allen gesellschaftlichen und politischen
Bereichen fortschreite, nähme die Bedeutung der Religion außerhalb
Europas insbesondere in den islamischen Ländern rapide zu. Ein
Beispiel für diese Analyse zeigte sich in den Massenprotesten gegen
die Veröffentlichung der Mohamed Karikaturen, die gerade in den
konservativen islamischen Staaten mit ungelösten inneren Problemen
besonders heftig waren. Dort sei es den herrschenden politischen
Klassen gelungen, über die Rekrutierung religiöser Emotionen den
islamischen Mob auf die Straße zu bringen und weltweit politische
Einflussnahme zu üben. Nicht nur emotionaler Druck sei dabei aufgebaut
worden, sondern auch ganz konkrete Forderungen an die Politik seien
formuliert worden. In diesem Zusammenhang erinnerte Stützer an die
Aufforderung des früheren Vorsitzenden des Zentralrat der Muslime in
Deutschland an die Bundesregierung, sämtliche Schulbücher auf
islamkritische Formulierungen überprüfen zu lassen.
Letztlich habe die
Auseinandersetzung im Karikaturenstreit nicht nur dem Kampf gegen die
Pressefreiheit gegolten, sondern richtete sich im Kern gegen die
westliche Lebensweise und Kultur schlechthin. Hinter diesem Kampf der
Kulturen stecke eine revolutionäre Dynamik, die in Deutschland nicht
erkannt werde. In einem seit Jahren andauernden Verdrängungsprozess
werden in der deutschen Öffentlichkeit neue Tabus geschaffen und wird
die auch die in Nachbarstaaten karikierte ‘German Angst’ gefördert.
Die Gettoisierung vieler Muslime schmälere die gesellschaftliche
Einflussnahme und die erforderliche Integration und fördere aber auch
gleichzeitig ein diffuses und von Verdächtigungen geprägtes Bild über
die Ausländer. Nur durch die geistige Auseinandersetzung auf einer
breiten gesellschaftlichen Basis und die Rückbesinnung auf die
Kernwerte westlicher Kultur können Maßstäbe für den eigenen Umgang mit
Muslimen einerseits geschaffen, andererseits aber auch als Ziele für
die Integration definiert werden.