Erfahrungen im Kosovo - Deputy
Commander HQ KFOR Pristina
Die Zukunft des Kosovo
Über die aktuelle Lage und
über Perspektiven für die Zukunft des Kosovo referierte Brigadegeneral
Wolfgang Kopp vor rund 80 Zuhörern der Gesellschaft für Wehr- und
Sicherheitspolitik in Sigmaringen. Kopp war es vergönnt, ein Jahr lang
als stellvertretender Befehlshaber der multinationalen Truppe KFOR in
Pristina persönliche Erfahrungen nicht nur aus militärischer Sicht zu
sammeln, sondern auch insbesondere an den Nahtstellen von KFOR zur
internationalen wie auch der kosovarischen Politik. Sein allgemeines
Fazit lautet: Die Lage ist stabil, aber zerbrechlich. Gefahren für die
Weiterentwicklung der Gesellschaft zu mehr Demokratie und politischer
Handlungsfähigkeit sieht Kopp sowohl in den derzeit politisch
Handelnden als auch in der sozialen Lage eines Großteils der
Bevölkerung.
Die politischen Gegebenheiten.
Die althergebrachten Klanstrukturen spiegeln die Parteienlandschaft im
Kosovo wider und sind vorrangig für die über die Parteien in die
Politik eingebrachten Individualinteressen der politisch Führenden
verantwortlich. Dabei ist die Tendenz, möglichst viele Posten und
Ämter mit eigenen Leuten zu besetzen, deutlich abzulesen. Dass dabei
einzelne Klans offensichtlich auch in das organisierte Verbrechen
eingebunden sind, macht die Politik nicht glaubwürdiger. Die daraus
resultierende Rivalität führt zu Misstrauen, mangelnder
Kompromissbereitschaft und zur Radikalisierung zwischen den gewählten
politischen Parteien. Dazu kommt der unverändert schwelende Konflikt
zwischen den unterschiedlichen Volksgruppen, vorrangig zwischen den
Kosovoalbanern und den Serben. Die gegenüber den internationalen
Institutionen geäußerten Bekenntnisse zum multiethnischen Ausgleich
sind oft nur vordergründig. Kopp stellt deshalb ernüchternd fest, dass
es ohne Kontrolle von außen auf absehbare Zeit kein stabiles und
handlungsfähiges politisches Modell geben wird und dass die
internationale Unterstützung zur Entwicklung einer demokratischen
Gesellschaft als Langzeitaufgabe bestehen bleiben wird. Lediglich in
der Forderung nach staatlicher Unabhängigkeit von Serbien wissen sich
die kosovoalbanischen Parteien einig und halten ihre Anhänger zur Zeit
still, um die laufenden Verhandlungen nicht zu gefährden.
Der wirtschaftliche und
soziale Sprengstoff. Die soziale Situation ist auch nach beinahe sechs
Jahren des internationalen Mandats wenig zukunftsweisend. Die mit
durchschnittlich zweiundzwanzig Jahren auffällig junge Bevölkerung
steht mit schlechten Ausbildungsqualifikationen einer 50%igen
Arbeitslosigkeit gegenüber. Der Durchschnittsverdienst von monatlich
200€ macht abhängig von internationaler Hilfe und von
Auslandsüberweisungen von Familienangehörigen. Die als internationale
Forderung formulierte Rückkehrerpolitik von Vertriebenen und
Flüchtlingen wird in dieser sozialen Situation als zusätzliche
Konkurrenz wahrgenommen und nicht akzeptiert. Brigadegeneral Kopp
fordert deshalb, die vorhandenen Potentiale wie den Kohleabbau, die
Landwirtschaft und das Handwerk gezielt zu fördern und für die
Produkte eine europäische Absatzchance zu schaffen. Auch in der
Visumspolitik zur Ausbildung junger geeigneter Kosovaren sind seitens
der Unterstützerländer Änderungen dringend erforderlich. Es genügt
nicht allein, Geld, Sicherheit und Verwaltungsstrukturen
bereitzustellen und dann eine Käseglocke darüber zu stülpen. Gerade
fär junge Leute ist es wichtig, um Perspektivlosigkeit einzudämmen,
Chancen für eine persönliche Entwicklung auch außerhalb des Kosovo
anzubieten. Patenschaften mit verschiedenen Organisationen können,
wenn sie nachhaltig betrieben werden, hilfreich sein.
Schlussfolgernd fordert Kopp
eine aktivere und richtunggebende Entwicklungspolitik, die nicht nur
kurzfristig nach Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen wirkt,
sondern orientiert an definierten Zwischenschritten sich langfristig
um eine stetige Verbesserung der Situation kümmert.
Bericht von OTL a.D. Peter
Wotzniak

BG Kopp stellt sich
vor

BG Kopp beim
Vortrag

Unterstützt wurde
BG Kopp von Oberstabsfeldwebel Tritschler

Aufmerksame Zuhörer
|