Sicherheitspolitik in neuen
Dimensionen
Afghanistan im Brennpunkt
der Interessen
Sigmaringen (sz) - Die
Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, Sektion Sigmaringen,
lud am Mittwoch zu einem Vortrag mit Dr. Aschot Manutscharjan über
„Sicherheitspolitik in neuen Dimensionen - Afghanistan und
Zentralasien im Schnittpunkt der Interessen”. Heute gibt es kein
Zweifel mehr, dass Afghanistan und Zentralasien von enormen
Interesse auch für Deutschland sind. Schon wegen der
Bundeswehrsoldaten, die dort bei UNO-Friedensmission ISAF und im
Kampfeinsatz der Soldaten des Kommando Spezialkräfte (KSK) sind. Ein
Jahr vorher, vor dem 11. September 2001 wollte nicht nur
Deutschland, sondern kaum ein Staat der Welt - vor allem USA -
Afghanistan und die zentralasiatische Region auf der Liste der
Prioritäten ihrer Politik stellen. Herr Schleyer von der Sektion
Sigmaringen der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V.
(GfW) lud Dr. Aschot Manutscharjan aus Berlin zur Diskussion über
die neue Rolle Zentralasiens in der Weltpolitik.
Vor 70 aufmerksamen Zuhörern
im Gemeindehaus von St. Fidelis erzählte der international bekannte
Experte über sein Treffen mit dem legendären afghanischen General
Massud, der den 11. September prophezeite: „Wenn die Amerikaner die
Taliban nicht bekämpfen, werden sie Terror nach Amerika bringen.”
Zur Zeit erleben wir eine geopolitische Revolution in Zentralasien,
sagte Manutscharjan. Seit 200 Jahren war es eine Einflusszone
Russlands. Mit einigen Ausnahmen - Afghanistan. Jetzt sind die
ehemaligen sowjetischen Republiken die USA und NATO Länder, darunter
auch Deutschland mit Militäreinrichtungen präsent.
Ein Blick in die Zukunft
verweigerte der Wissenschaftler nicht: „Wenn die Regierungen in
Zentralasien weiter die politische Opposition unterdrücken, dann
schließe ich nicht aus, dass die nächsten Terroranschläge auch dort
uns erreichen können.” Was Afghanistan betrifft ging Manutscharjan
hart mit der UNO ins Gericht: Sie solle den wirtschaftlichen Aufbau
des Landes vorantreiben und nicht die Zahl der UNO-Mitarbeiter. Alle
haben Geld für Afghanistan versprochen, Kabul hat aber kaum etwas
bekommen. Der nächste Bürgerkrieg mit Einmischung von Nachbarstaaten
ist vorprogrammiert.
In angeregter Diskussion
wurde auch die Rolle Chinas erörtert, die nach Aussage
Manutscharjans eine potente Supermacht sei, die ‘noch’ nicht die
entsprechende Feuerkraft habe, aber in diese Richtung arbeite. In
einem kleinen Umtrunk wurde am Schluss der gelungenen Veranstaltung
in weiteren Gesprächen das Thema vertieft.
Zeitungsbericht

Dr. Aschot
Manutscharjan beim Vortrag