„Migration - eine
Lebensbedingung des 21. Jahrhunderts”
Völkerwanderung im 21.
Jahrhundert
Sigmaringen - Weltweit schätzt
man, dass über 191 Millionen Menschen ihre Geburtsländer verlassen und
sich in Fremdstaaten niedergelassen haben. Zur deutschen Bevölkerung
zählen derzeit über zwölf Prozent Menschen mit Migrationshintergrund.
In Stuttgart kommt jeder vierte Schüler aus einer Migrantenfamilie.
Mit diesen Fakten beschrieb
Nikolaus Schmeja bei einem Vortrag vor der Gesellschaft für Wehr- und
Sicherheitspolitik in Sigmaringen die aktuelle Lage der Migration.
Dabei gibt es sowohl Gemeinsamkeiten als auch gravierende Unterschiede
bei der Analyse der Situation. Als Migrationsbewegungen lassen sich
eindeutig Süd-Nord und Ost-West Bewegungen feststellen, während der
Migrationstrom in die USA überwiegend aus qualifizierten Einwanderern
besteht, setzt er sich nach Europa vor allem aus unqualifizierten
Menschen zusammen. Nahezu gleich groß mit über 20 Prozent ist der
Anteil an Flüchtlingen in Asien und Afrika an den gesamten
Wanderungsbewegungen, während in Europa lediglich fünf Prozent der
Migranten den Flüchtlingsstatus beanspruchen. Das Thema Asylbewerber
war im Gegensatz zu anderen Staaten gerade in Deutschland heftig
umstritten. In den Jahren 1994 bis 2003 wurden hier fünf Millionen
Anträge registriert, von denen 28 Prozent anerkannt oder mit einer
längerfristigen Aufenthaltsgenehmigung beschieden wurden. Diese von
den Staaten erfassten Zahlen geben die legale Migration wieder. Allein
in Europa wird die illegale Migration jährlich auf vier Millionen
geschätzt.
Die Gründe für diese
Wanderungsbewegungen sind vielfältig. Aus Sicht der Betroffenen steht
das zu erwartende persönliche Wohlergehen im Vordergrund, politische
Gründe sind weniger ausschlaggebend. Aber auch veränderte
Rahmenbedingungen, die durch die heutigen Kommunikationsmöglichkeiten
bewusster werden, gewinnen als Hintergrundfaktoren zunehmende
Bedeutung. Im Sog der wirtschaftlichen Globalisierung folgen
Veränderungsprozesse, welche die allgemeine Bereitschaft zur
Emigration fördern. Der Verlust nationalstaatlicher Bindungen, das
zunehmende Auseinanderklaffen von Arm und Reich und von Sicher und
Unsicher sowie der Souveränitätstransfer an multinationale
Organisationen wie die Europäische Union fördern diese Bereitschaft
ebenso wie Verteilungsprobleme bei Ressourcenknappheit und das
Entstehen so genannter "failing states", Staaten, die durch Korruption,
Misswirtschaft und undemokratische Entwicklungen ihre Glaubwürdigkeit
bei der eigenen Bevölkerung verloren haben. Schmeja sieht deshalb
keine Wende für die Zukunft. Die Migration wird mit steigender Tendenz
ein globales Thema auch des 21. Jahrhunderts bleiben.
Bericht von Peter Wozniak


Oberst a.D. Nikolaus
Schmeja beim Vortrag

Interessierte
Zuhörerschaft |