Bericht des Südkuriers
Sigmaringen
Sigmaringen
Bundeswehr
Einsatz in
Afghanistan aus Nato-Sicht
Er ist kein Unbekannter in
Sigmaringen. General Karl-Heinz Lather war hier einmal Chef der 10.
Panzerdivision. Jetzt ist er Chef des Stabes im Nato-Hauptquartier
Europa. Im Soldatenheim in Sigmaringen sprach er vor rund 300 Zuhörern
über den Afghanistaneinsatz. Eingeladen hatte die Sektion Sigmaringen
der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V.
Sigmaringen – Draußen brannten
romantisch die Fackeln zur Begrüßung der Gäste, drinnen ging es um ein
Thema, das nicht nur die Militärs bewegt: der Einsatz am Hindukusch
und die Frage, wann er beendet sein wird. Das wiederum hängt von der
Entwicklung des Landes ab, das nach 30 Jahren Krieg immer noch nicht
zur Ruhe gekommen ist. „Wir sind nicht dazu da, die Sicherheit der
Afghanen zu gewährleisten“, macht Lather deutlich. Auf Dauer müssten
das die landeseigenen Sicherheitskräfte selbst tun. Und: „Wir müssen
uns von der Vorstellung verabschieden, dass es dort jemals eine
Demokratie nach europäischem Zuschnitt geben wird.“ Ohne Recht und
Ordnung gehe aber auch in Afghanistan nichts – notfalls auch mit der
Scharia. Der Aufbau von Kampfzonen sei nicht die Aufgabe der Nato,
wohl aber die Schaffung einer Infrastruktur, die für Strom, Wasser und
Straßen sorge.
Nach der Einschätzung des
Vier-Sterne-Generals klappt in Afghanistan die Zusammenarbeit mit der
europäischen Polizei an der Basis. „In Brüssel würde das gar nicht
gehen“, ist sich Lather sicher. Damit wird auch deutlich: Die
Situation im Land selbst ist oft anders, wie es aus der Ferne
aussieht. 43. Nationen seien derzeit in Afghanistan tätig („Und die
44. steht bereits vor der Tür: die Mongolei“). Die ISAF stellt derzeit
85 000 Mann und Lather geht davon aus, „dass die Grenze von 100 000
bald überschritten wird“. Er hat die Hoffnung, dass auch Deutschland
zur Aufstockung beitragen wird.
Nach der
neuen Nato-Strategie habe man es in Afghanistan mit Aufständischen zu
tun. Auch sei das „Partnering“ nun ein Kernpunkt – aber auch ein
Sicherheitsrisiko. Gemeinsame Patrouillen, gemeinsame Unterbringung,
es gibt wohl viele Möglichkeiten, die noch nicht von allen
Nato-Partnern genutzt werden. Wichtig sei die Ausbildung der
afghanischen Soldaten und Polizisten. „Die Taliban greifen sich immer
das schwächste Glied, weil sie sich gegen die Starken verheben“, hat
der General vor Ort erkannt. Jetzt müsse man den Blick auch auf die
Parlamentswahlen im kommenden Jahr richten. „Wir hoffen, dass die
demokratischer Ablaufen“, sagt Lather mit Hinweis auf die
Präsidentenwahlen, die wohl einiges an Kritik auf sich gezogen haben.
Der größte Sprengstoff seien aber die Gefallenen, die täglich mehr
würden.
In der von
General Erhard Bühler geleiteten Diskussionsrunde ging es auch um das
Image der deutschen Soldaten in den Medien. „Die Deutschen machen das,
was sie auch schon vorher gemacht haben“, ist Lather überzeugt. Aber
derzeit bräuchten die Medien keine guten Nachrichten. Das Einbeziehen
der Taliban in die Zukunft des Landes sei unumgänglich. Integration
und Versöhnung seien da sehr wichtig. Das Problem: „Es gibt Taliban
aller möglichen Sorten.“ Das gehe von den Anhängern eines
Gottesstaates bis zu den gemäßigten Kräften. Lather: „Wer die Gesetze
achtet und die Waffen niederlegt, der muss eine Chance haben.“ Das
Totschlagen sei keine Lösung, „aber es gehört leider dazu“.
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