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Sicherheitspolitischen Seminar
unter der
Schirmherrschaft von
Gregor Hipp
Bürgermeister
von Stetten a.k.M.
Neue Kriege
– Herausforderungen für die Bundeswehr im Einsatz
und
Auswirkungen auf die Innere Sicherheit
am Samstag,
20.02.2010, 09.00 - 16.00 Uhr
im
Soldatenfreizeitheim
Hardtstr. 48, 72510
Stetten a.k.M.
*****
Hochkarätige Referenten
informierten bei einem Sicherheitspolitischen Seminar (SiPoSem)
vom Verband der Reservisten Kreisgruppe Neckar-Alb und der
Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik Sektion
Sigmaringen im Soldatenheim Stetten a. k. M. zum Thema: "Neue
Kriege - Herausforderungen für die Bundeswehr im Einsatz und
Auswirkungen auf die Innere Sicherheit".
Von der RK Albstadt
nahmen RK-Leiter Lothar Horn, Schriftführer Steffen Wagner und
Pressereferent Günther G. Töpfer teil.

(vlnr)
Bürgermeister Gregor Hipp , Oberstleutnant Udo Eckbrett,
Bernhard Schleyer (Vors.
Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik),
Oberstleutnant
d. R. Jörg Schlosser und Oberst a. D. Nikolaus Schmeja
Der stellv. Vorsitzende
Jörg Schlosser (Reservisten Kreisgruppe Neckar-Alb) hieß die
große Schar der Teilnehmer willkommen. Starke Beachtung fand ein
Grußwort von Bürgermeister Gregor Hipp (Schirmherr), der die
Gäste über die Entwicklung in der traditionsreichen
Garnisonsgemeinde informierte. Nach der Auflösung des
Panzergrenadierbataillons 294 sei das Zentrum für
Kampfmittelbeseitigung fest in Stetten a. k. M. installiert.
Zugleich berichtete der Schirmherr, dass der Truppenübungsplatz
Heuberg in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern könne.
Wichtigster Termin sei das Wochenende 15./16. Oktober 2010 mit
einem "Tag der offenen Tür" in der Albkaserne zu dem viele
ehemaligen Soldaten erwartet werden, wozu er auch die Teilnehmer
des Seminar herzlich einlade. Schirmherr und Festredner beim
Jubiläum werde Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert sein.
Den Reigen der
Referenten eröffnete Oberst a. D. Nikolaus Schmeja mit dem
Thema "Neue Kriege - Herausforderungen für moderne Armeen" und
dabei darauf verwies, dass Soldaten der Bundeswehr mittlerweile
weltweit zu finden seien. Die alte Charakteristika der
Kampfhandlungen gebe es jedoch nicht mehr, denn der Gegner sei
nur noch teilweise sichtbar und deshalb nicht mit entsprechenden
militärischen Mitteln zu bekämpfen. Diese veränderte Situation
mache also einen anderen Soldaten erforderlich. Die Bundeswehr
habe jedoch nur noch acht Infanterie-Bataillone und die seien
derzeit pausenlos im Einsatz. Dafür habe man 28
Fernmelde-Bataillone und dieses Missverhältnis gebe zu denken.
Die Sanitätstruppe sei im Einsatz und stärker geworden, was
einen ungeheuren Wandel zeige. Mit Blick auf die Globalisierung
stellte Oberst Schmeja fest: Wir wachsen in dieser Welt immer
stärker als Gesellschaft zusammen". Während jedoch die einen
über Rohstoffe und Energie (Ressourcen) verfügen, hätten die
anderen Länder Probleme, wie zum Beispiel Afghanistan mit seiner
Hochgebirgslandschaft und einer Bevölkerung, die nie einen Staat
gebildet habe. Probleme, die dort entstehen, breiten sich jedoch
sehr schnell aus und drohen andere Staaten mit ein zu beziehen.
Die so genannte
"Globalisierung" habe eigentlich schon sehr früh angefangen,
denn in der Bibel stehe: "Gehet hinaus und lehret alle Völker".
Während es früher Kolonialisierung und Auswanderung gegeben
habe, sei jetzt die UN-Charta mit der Souveränität der einzelnen
Staaten der Maßstab aller Dinge. Eine Folge sei, dass jeder
Staat eine Stimme habe wie selbst Kleinstaaten wie Tuvalu mit
10.000 Einwohnern. Deshalb habe sich ein Zwei-Werte-System mit
den Ost-West-Blöcken gebildet. Die Globalisierung schaffe jedoch
Netzwerke ohne ein umfassendes Ordnungs- und Kontrollsystem.
Dadurch werde die Souveränität von Staaten weiter eingeschränkt
und es entstehe eine Weltordnung ohne durchschlagende Autorität.
Das Auseinanderwachsen von Lebensverhältnissen (arm - reich oder
sicher-unsicher) wachse.
Die Ressourcenknappheit
schaffe neue Verteilungsprobleme und schwere Krisen bei der
Versorgung mit Nahrung, Wasser, Energie und Rohstoffen seien zu
erwarten. Entwickelte Staaten würden Lösungen durch
Wissenschaft und Technik finden. Während der Aufstieg von
Staaten in Asien zu Schwellenländern bejubelt würde, bedeute
dies aber einen weiter steigenden Verbrauch von Ressourcen mit
denen West-Europa nicht hinreichend ausgestattet sei und sich
aber versorgen müsse. Die Entwicklung der Probleme sei
vorhersehbar und es gebe dabei Risiken und Gefahren. Dazu
gehören gemäß der NATO-Strategie: Mangelnde Stabilität von
Regimen, wirtschaftliche Schwäche und soziale Spannungen,
Überbevölkerung, unfähige Eliten, ethnische und religiöse
Gegensätze, Unterdrückung und Staatsterror, organisierte
Kriminalität, Terrorismus mit internationalem Aktionsradius,
regionale Konflikte um Herrschaft und Einfluss sowie
Proliferation von MVW-Trägermitteln. Davon könne ein Teil in
bewaffnete Konflikte umschlagen.
So entstehen gewaltsame
Auseinandersetzungen, ausgelöst durch gesellschaftlichen Wandel,
Aufhebung von Werten und fehlenden Bindungen, durch das
Scheitern der Staatsmodelle europäischer Prägung oder durch das
Entstehen neuer Eliten in weiten Teilen der Dritten Welt. Zur
Gewalt würden sechs Kriterien führen: Verarmungsprozesse,
massenhaftes Vorhandensein von Waffen, Innen- wie
zwischenstaatliche Spaltung, unmittelbare ökonomische
Interessen, gewaltbereite, politische Ideologien und das Fehlen
von starken Ordnungen. Als ein besonderes Problem bezeichnete
Nikolas Schmeja den Umstand, dass gerade in den Gebieten wie zum
Beispiel in Afrika, auf die diese Kriterien zutreffen, der
größte Zuwachs an Bevölkerung stattfinde.
Zur Frage nach Krieg und
Gewalt im 21. Jahrhundert bezeichnete er den "cyber war" als
besonders gefährlich, weil man mit dem Eindringen in fremde
Info-Systeme ganze Flughäfen lahm legen, Reaktoren abschalten,
Strom-Netze durch Überlastung nicht nur stören sondern zerstören
könne oder in Banken riesige Daten-Mengen schlagartig löschen
könne. Auch die Kriegsökonomie spiele eine große Rolle. Dies
werde in Afghanistan sehr deutlich. Wer soll noch Getreide
kaufen, wenn es in Afghanistan von der UNO kostenlos verteilt
werde. Auch dies sei ein Grund dafür, dass die Bauern auf den
Anbau von Mohn umstellen. Die humanitären Organisationen
schaffen auch die Voraussetzungen für das "outsourcing war". Für
das moderne Söldnertum der Privatsicherheitsfirmen (PMC) seien
derzeit 1,5 Millionen Menschen bei Auslandseinsätzen in der
Logistik, für Bewachungsaufgaben, Personenschutz, Übernahme von
Spezialaufgaben, Sicherheit für Firmen oder Aufstellung und
Ausbildung von Bewaffneten tätig. Das Kriegsbild, das uns
bevorstehe, sei das Leit-Szenario, wie wir die Bundeswehr
aufstellen, schloss Nikolaus Schmeja seine Ausführungen.
Über die Auswirkungen
des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan auf die Innere Sicherheit
Deutschlands in Zusammenhang mit der Bedrohung durch den
islamistischen Terrorismus berichtete der für den
Regierungsbezirk Tübingen verantwortliche Polizeipräsident
Dietrich Moser von Filseck sachlich und nüchtern. Deutschland
sei ein Teil eines weltweiten Gefahrenraumes und im Fadenkreuz
des islamistischen Terrors. Von den Islamisten werden das
deutsche Engagement in Afghanistan als Rechtfertigung für
Anschläge angesehen. Nicht jeder Mohammedaner sei jedoch ein
Islamist. Der Staat habe auch sehr wohl auf die Bedrohung
reagiert. An der Spitze stehe dabei das Verbot extremistischer
Parteien, wofür es jedoch keine praktischen Beispiel gebe. Eine
weitere Maßnahme seien Vereinsverbote, wie zum Beispiel im Jahre
2001 durch den Bundesinnenminister gegen den Kalifat-Staat in
Köln oder im Jahre 2005 das Verbot des bayrischen Innenministers
gegen das Multi-Kultur-Haus in Neu-Ulm.
Der Verfassungsschutz
hat die Szene jedoch im Blick. Er sammelt Informationen über
Einrichtungen, die gegen die freiheitliche Grundordnung
gerichtet sind. Allerdings habe er wegen des so genannten
"Trennungsgebotes" keinerlei Eingreifbefugnisse und darf deshalb
auch keine Durchsuchungen durchführen. Die dritte Säule der
Bekämpfung sei die Polizei, deren Befugnisse dazu in
Baden-Württemberg dazu erweitert wurden.
Zur islamistischen
Bedrohungslage in Deutschland gebe das Weißbuch der Regierung
Auskunft. Darin wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen,
dass Islam und Islamismus keinesfalls gleich zu setzen sei. In
Deutschland leben derzeit 3,5 Muslime, davon 600.000 in
Baden-Württemberg. Weltweit gebe es über eine Milliarde
Menschen. Zum besseren Verständnis verwies Präsident Moser von
Filseck darauf, dass mit der Übergabe des Koran durch Allah und
Mohamed nach dem Verständnis der Muslime aller anderen
Religionen aufgehoben worden seien. Der Koran habe drei
Kernziele: 1. Einfluss auf die verkommene Welt zu nehmen; 2.
Gottesstaaten errichten und 3. säkularisierte Nationalstaaten
der islamischen Welt nach dem Begriff der "Umma" (die
Gemeinschaft der Gläubigen) zu vereinigen. Eine weitere Säule
des muslimischen Glaubens sei jedoch der Dschihad (Heilige
Krieg), weil die Muslime zunehmen die westliche Welt als ihren
Feind, insbesondere nach dem 1. Golfkrieg) ansehen, weil sich
die USA damals auf einen heiligen islamischen Weg bewegt habe.
Die bekannteste
islamistische Struktur sei Al Kaida mit ihrem Gründer Osama Bin
Laden und seinem Stellvertreter Al Sawahiri an der Spitze. Die
Gründung sei zunächst jedoch erfolgt, um die Russen in
Afghanistan zu bekämpfen. Als der irakische Diktator Hussein
Kuwait überfiel, wollte Osama Bin Laden Kuwait unterstützen. Im
Jahre 1998 habe Al Kaida jedoch den weltweiten Dschihad
verkündet und damit eine internationale Front gegen Juden und
westliche Kreuzritter ausgerufen. Dieser Terror habe dann
Tausende von Opfern mit dem traurigen Höhepunkt vom 11.
September 2001 gefordert. Nach dem Verlust von Führungskadern
habe sich Al Kaida weiter entwickelt und agiere als virtuelle
Organisation, die junge Muslime, die in westlichen Demokratien
aufgewachsen sind, gezielt anspricht. Beispiele dafür seien die
Anschläge im Jahre 2004 in Madrid und in London.
Das nötige Wissen wird
dazu in Ausbildungslagern in Pakistan und Afghanistan
vermittelt, die bereits Tausende, darunter auch etwa 100
deutsche Konvertiten, durchlaufen haben, die aber unter
ständiger Beobachtung der Sicherheitsbehörden auf deutschem
Boden stehen. Die Bedeutung der modernen Kommunikation sei nicht
zu unterschätzen. Jugendliche werden ganz gezielt aufgefordert
über die Medien zu agitieren. Beispiele gebe es dafür zur
Genüge. Einer von vielen sei das deutsche Al-Kaida-Mitglied
Bekkay Harrach (alias Abu Talha), der 2009 erstmals mit dem
Droh-Video "Sicherheit - ein geteiltes Schicksal" aufgetreten
und eigentlich Marokkaner sei. Er fordert die deutschsprachigen
Jugendlichen zum Dschihad auf und preist die Vorzüge des
Märtyrer-Todes. Alle diese Medienauftritte haben das Ziel
deutsche Interessen im Ausland zu schädigen.
Das deutsche
ISAF-Engagement in Afghanistan soll dazu beitragen, dass dieses
Land kein Rückzugsgebiet der Al Kaida wird und das Volumen des
Opium-Anbaus reduziert wird. Mit Blick auf die große Gefährdung
Deutschlands durch Anschläge verwies Präsident Moser von Filseck
darauf, dass drei der 19 Täter vom September 2001 lange Zeit in
Deutschland gelebt hätten. Der Koffer-Anschlag im Juli 2006 in
Dortmund sei nur durch einen handwerklichen Fehler der Täter
nicht zustande gekommen. Im September 2007 habe es eine weitere
Eskalationsstufe gegeben. Mit der Festnahme der drei
mutmaßlichen Mitglieder der "Sauerland-Gruppe", ein Türke und
zwei deutsche Konvertiten, konnten Sprengstoff-Anschläge
verhindert werden. Die Menge hätten gereicht um die Wirkung des
Anschlags von Madrid zu übertreffen.
Neben den islamistisch
terroristischen Strukturen agieren jedoch Hamas, Milli Görüs und
Hizb-Allah in Deutschland. Die deutschen Behörden schätzen das
islamistische Potential auf 35.000 Personen (1 % der Muslime im
Land) von denen etwa 15 Prozent zur Gewaltbereitschaft neigen.
Zur Bekämpfung wurden folgende Maßnahmen ergriffen:
Verabschiedung von Anti-Terrorgesetzen, ein eigens gegründetes
gemeinsames Anti-Terror-Abwehrzentrum in Berlin, eine
Anti-Terror-Datei, eine Grundgesetzänderung, die
Online-Durchsuchung und den Angriff lohnender Ziele so schwer
wie möglich zu machen. Um an die Wurzeln der Probleme zu gehen
wurde bei der Muslim-Konferenz der Dialog gesucht, doch eine
absolute Sicherheit gebe es nicht. Die anhaltende Bedrohung und
hohe Gefährdung durch den islamistischen Extremismus bleiben auf
nicht absehbare Zeit eine der zentralen Herausforderungen für
die Sicherheitsbehörden.
Ulm habe sich zu einer
Schaltstelle der Islamisten entwickelt, weshalb das
Multi-Kultur-Haus und seine Vereinigung Ende 2005 verboten
wurde, bevor sich das Islam Info-Zentrum in Ulm nach einer
Durchsuchungs-Aktion selbst aufgelöst habe. Der terroristische
Islamismus haben auf die Polizei des Landes die höchste
Priorität. Unabhängig davon sei jedoch seiner Meinung nach die
Zusammenarbeit mit Muslimen und deren Integration für die
Gesellschaft geboten. Auch die Ausbildung von Imamen an
deutschen Universitäten wurde von ihm ausdrücklich bejaht. Der
Imam-Ausbildung könne er eine ganze Menge Charme abgewinnen.
Nicht das geringste Verständnis zeigte Präsident Moser von
Filseck für die Regelung, dass Online-Untersuchungen
grundsätzlich nur von einem Ermittlungsrichter am
Bundesgerichtshof angeordnet werden dürfen. Auf die Frage von
Oberst d. R. Bernd Assheuer zum möglichen Einsatz der Bundeswehr
in Deutschland vertrat Präsident Moser von Filseck die
Auffassung, dass sich dabei die Einsätze der BW darauf
beschränken sollten, wo sie über das Know-how (Luftwaffe, ABC)
verfüge.
Krönender Höhepunkt des
Seminars war das Referat von Oberstarzt Dr. Hansjörg Friedrich
vom Sanitätskommando II in Diez an der Lahn über den
Sanitätsdienst im Einsatz. Der Mediziner erläuterte zunächst
detailliert Aufbau, Struktur und Aufgaben des Sanitätsdienstes
und wies eindringlich darauf hin, dass der Sanitätsdienst wegen
der zahlreichen internationalen Einsätze (ISAF, SFOR, OEF, ORF,
NRE, EU-BG) seine Grenzen erreicht habe. Mittlerweile sei es so,
dass, bevor der letzte Einsatz beendet worden sei, bereits der
nächste Einsatz beginne. Oberste Maxime sei jedoch, dem
Soldaten bei Krankheit oder Unfall im Einsatz eine medizinische
Versorgung zu geben, die im Ergebnis dem fachlichen Standard in
Deutschland entspreche.
Starke Beachtung fanden
dabei die Ausführungen von Oberstarzt Dr. Friedrich zur
Rettungskette vom Unfallort bis zur Einlieferung in ein
Bundeswehrkrankenhaus. Der Airbus sei eine so große
Erfolgsgeschichte, dass andere Nationen, selbst
Reiseveranstalter, nicht nur darauf zurück greifen sondern
einen eigenen Airbus anschaffen.
Zu den besonderen
Belastungsfaktoren in Afghanistan gehören die Dauer der
Abwesenheit, das ungewohnte Umfeld, die Unterbringung in
Feldlagern, die Dienstzeiten, Mehrsprachigkeit und Klima und vor
allen Dingen auch die Tücken des Alltags, wie zum Beispiel
Straßen mit steilen Abhängen. Zwangsläufig gebe es viele Unfälle
und bedingt durch die Straßenverhältnisse lange Fahrtzeiten.
Eine Folge sei: Es gibt keine Alternative zum Lufttransport von
Verletzten. Der Hubschrauber vom Typ Bell 105 habe einen
Einsatzradius von einer Stunde. Aus den Erfahrungen vom Einsatz
auf dem Balkan habe man gelernt und in Mazar-e Sharif deshalb
sofort ein Feldlazarett mit festen Unterkünften eingerichtet.
Den hohen Standard des Lazaretts, das der Qualität einer
Kreisklinik mit Intensivstation in Deutschland entspreche,
untermauerte der Mediziner mit dem Hinweis, dass im
Einsatz-Lazarett mit seinem OP die Versorgung der Patienten mit
der ganzen Palette der medizinischen Fachrichtungen
gewährleistet sei.
Die Fortschritte bei der
Erstversorgung von Patienten seien enorm. So könne man heute in
kürzester Zeit ein Luftlanderettungszentrum für die erste
chirurgische Versorgung einrichten. Bereits nach zehn Minuten
würde das Zelt stehen. Für den Transport stehen neben einer
Transall (C 160), eine Challenger (CL 601) für die
Einzelverlegung, der Airbus A 310 mit sechs Intensiv-Betten und
Transport für 38 Liegende bereit. Bei ihm in Diez stehen zwei
Einsatz-Lazarette bereit. Es gab auch schon Überlegungen,
Lazarett-Schiffe mit Hubschraubern an zu schaffen. Demnächst
werde jedoch ein Europäisches Lufttransport-Kommando seinen
Betrieb aufnehmen.
Den Ausführungen von Dr.
Friedrich schloss sich noch eine sehr lebhaft geführte
Diskussion an. Oberstleutnant Udo Eckbrett (Kommandant vom
Truppenübungsplatz Heuberg) verwies darauf, dass allein im
vergangenen Jahr über 100 Sanitäts-Offiziere die Bundeswehr
verlassen hätten. Die Frage von Oberst d. R. Bernd Assheuer , ob
denn auch Grundwehrdienstleistende in den Einsatz kommen,
verneinte Dr. Friedrich unter Hinweis auf die notwendige
Ausbildung für die der Wehrdienst zu kurz sei.
Text und Foto: Günther
G. Töpfer

vom 27.02.2010
Stetten a.k.M.
Bildung
Sicherheitspolitische Tagung
In Stetten a.k.M. kamen bei einem Sicherheitspolitischen Seminar
vom Verband der Reservisten, Kreisgruppe Neckar-Alb, und der
Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, Sektion
Sigmaringen, hochkarätige Referenten zusammen.
Stetten a.k.M. – Hochkarätige Referenten informierten beim
Sicherheitspolitischen Seminar vom Verband der Reservisten,
Kreisgruppe Neckar-Alb, und der Gesellschaft für Wehr- und
Sicherheitspolitik, Sektion Sigmaringen, im Soldatenheim zum
Thema: „Neue Kriege – Herausforderungen für die Bundeswehr im
Einsatz und Auswirkungen auf die Innere Sicherheit“.
Nach
der Begrüßung vom stellvertretenden Vorsitzenden Jörg Schlosser
(Reservisten Kreisgruppe Neckar-Alb) informierte Schirmherr und
Bürgermeister Gregor Hipp über die Entwicklung in der
traditionsreichen Garnisonsgemeinde. Nach der Auflösung des
Panzergrenadierbataillons 294 sei das Zentrum für
Kampfmittelbeseitigung fest in Stetten a.k.M. installiert
worden. Zugleich berichtete Hipp, dass der Truppenübungsplatz
Heuberg in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern könne.
Den
Reigen der Referenten eröffnete Oberst a. D. Nikolaus Schmeja
mit dem Thema „Neue Kriege – Herausforderungen für moderne
Armeen“ und dabei darauf verwies, dass Soldaten der Bundeswehr
mittlerweile weltweit zu finden seien. Die Bundeswehr habe
jedoch nur noch acht Infanterie-Bataillone und die seien derzeit
pausenlos im Einsatz. Dafür habe man 28 Fernmeldebataillone und
dieses Missverhältnis gebe zu denken. Auch die Kriegsökonomie
spiele eine große Rolle. Über die Auswirkungen des
Bundeswehreinsatzes in Afghanistan auf die Innere Sicherheit
Deutschlands in Zusammenhang mit der Bedrohung durch den
islamistischen Terrorismus informierte der für den
Regierungsbezirk Tübingen verantwortliche Polizeipräsident
Dietrich Moser von Filseck.
Deutschland sei ein Teil eines weltweiten Gefahrenraumes und im
Fadenkreuz des islamistischen Terrors. Von den Islamisten werde
das deutsche Engagement in Afghanistan als Rechtfertigung für
Anschläge angesehen. Der Staat habe auf die Bedrohung reagiert,
aber nicht jeder Mohammedaner sei ein Islamist. Krönender
Höhepunkt des Seminars war das Referat von Oberstarzt Dr.
Hansjörg Friedrich vom Sanitätskommando II in Diez an der Lahn
über den Sanitätsdienst im Einsatz. Der Mediziner erläuterte
zunächst detailliert Aufbau, Struktur und Aufgaben des
Sanitätsdienstes und wies eindringlich darauf hin, dass der
Sanitätsdienst wegen der zahlreichen internationalen Einsätze
seine Grenzen erreicht habe. Oberste Maxime sei jedoch, dem
Soldaten bei Krankheit oder Unfall im Einsatz eine medizinische
Versorgung zu geben, die im Ergebnis dem fachlichen Standard in
Deutschland entspreche. Starke Beachtung fanden dabei die
Ausführungen des Mediziners zur Rettungskette vom Unfallort bis
zur Einlieferung in ein Bundeswehrkrankenhaus. Der Airbus sei
eine so große Erfolgsgeschichte, dass andere Nationen, selbst
Reiseveranstalter, nicht nur darauf zurückgreifen, sondern einen
eigenen Airbus anschaffen würden. Tatsache sei: Es gibt keine
Alternative zum Lufttransport von Verletzten. Für den Transport
stünden neben einer Transall (C 160), einer Challenger (CL 601)
für die Einzelverlegung, der Airbus A 310 mit sechs
Intensiv-Betten und Transport für 38 Liegende bereit. Demnächst
werde jedoch ein Europäisches Lufttransport-Kommando seinen
Betrieb aufnehmen.
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