Primat der Politik
Beginn einer Vortragsreihe beim
Transporthubschrauberregiment 30 - Gesellschaft für Wehr- und
Sicherheitspolitik Sektion Taubertal engagiert sich in Niederstetten.
Der Kommandeur des
Transporthubschrauberregiment 30 Oberst Heinrich Bierbrauer konnte
erstmalig in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Wehr- und
Sicherheitspolitik und dessen Sektionsleiter Oberstleutnant a.D. Wolfgang
Krayer zu einer Vortragsreihe zahlreiche Gäste im Offizierheim
Niederstetten begrüßen. Gemeinsam sollen in lockerer Reihenfolge Themen
zur Weckung des Verständnisses für eine stete Notwendigkeit, den Frieden
in Freiheit und die Souveränität Deutschlands zu schützen und die
Verteidigungsbereitschaft zu fördern angeboten werden.
Mit
Frau Dr. Ulrike Kleemeier konnte eine hochkarätige Referentin gewonnen
werden, die als Privatdozentin am Philosophischen Seminar der
Westfälischen Wilhelm-Universität lehrt und durch zahlreiche Vorträge über
kriegstheoretische Themen bei der Internationalen Clausewitz-Gesellschaft
und an der Führungsakademie der Bundeswehr bekannt wurde. Mit dem Thema
„Primat der Politik - ein Freibrief für Inkompetenz” fesselte Sie die ins
Offizierheim gekommenen Gäste, an deren Spitze der Bürgermeister von
Niederstetten Rüdiger Zibold. Sie stellte die Theorie vom Primat der
Politik vor dem Krieg, wie sie von General von Clausewitz entwickelt
wurde, auf den man sich immer wieder beruft, als vollkommen richtig und
höchst aktuell dar. Dies gelte obwohl es zahlreiche geschichtliche Fälle
gab und gibt, die beweisen, dass die politische Führung während eines
Krieges ihre Zwecke immer höher schraube, so dass diese immer
unrealistischer werden. So sind nach Meinung von Frau Kleemeier im Bereich
des Politischen dem Verbrechertum, der Lüge, der Korruption und der
Inkompetenz kaum Grenzen gesetzt. Wer heute die Formel vom Primat der
Politik im Munde führt, meine allzu oft: „Soldaten sollen das tun, was
Politiker befehlen”. Diese Vorstellung verhalte sich aber zutiefst
widersprüchlich zur demokratischen Idee des Staatsbürgers in Uniform.
Gerade der zitierte General von Clausewitz hasste jede Form von Anpassung
an ungeliebte Umstände, weshalb er sich 1812 offen seinem Monarchen
widersetzte und Abschied von der preußischen Armee nahm und in russische
Dienste wechselte. In diesem Sinne empfahl sie den heutigen Soldaten,
insbesondere der Generalität, zu mehr Mut bei der Beteiligung von
politischen Entscheidungen. Man müsse beharrlich seinen Rat und damit klar
und deutlich seine eigene Sicht der Dinge, auch wenn diese abweichend ist,
vertreten. Allerdings sei damit erforderlich, die eigene Karriere nicht
als das Maß aller Dinge anzusehen, es bestehe das Risiko, gegenüber
anderen Nachteile zu haben, die sozusagen im vorrauseilenden Gehorsam
alles tun, was von Ihnen tatsächlich oder vermeintlich erwartet wird.
Vielleicht kann diese Sorte von Tapferkeit auch für heutige Soldaten als
Vorbild dienen, wenn wieder einmal, womöglich unter Berufung auf
Clausewitz, der Primat der Politik bemüht wird, den Soldaten als
Instrument zur Durchsetzung inkompetenter oder gar noch schlimmerer
Bestrebungen zu benutzen. Gerade diese Thesen entfachten eine
anschließende rege Diskussion, in der deutlich das Bekenntnis zur
Loyalität gegenüber dem Dienstherrn, aber auch das Vertrauen in die
demokratischen Mechanismen zum Ausdruck kamen. Nach heftigen Diskussionen
müsse stets eine Entscheidung fallen, die aber dann auch für alle
verbindlich sein müsse. Im gemütlichen Teil wurden im kleineren Kreis die
Diskussion und der Meinungsaustausch fortgesetzt. Insgesamt war es ein
hochinteressanter Abend, der zu einer Fortsetzung einlädt.
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